Abstract
<jats:p>ZUSAMMENFASSUNG Die in der Zahnmedizin verschriebenen und verabreichten Medikamente entlassen erhebliche Mengen an Antibiotika, Antiseptika und persistenten halogenierten Substanzen in die umwelt, während die Patien- ten zugleich pharmazeutischen Rückständen in Nahrung und Trinkwasser ausgesetzt sind – die in der vorausgegangenen ökotoxikologischen Bestandsaufnahme als Pharmakotrophie benannte chronische un- freiwillige Aufnahme. Die hier vorgelegte Arbeit erweitert diese Bestandsaufnahme um eine designtheo- retische Reformulierung. Die ökotoxikologische Last der Zahnmedizin entsteht nicht zufällig, sondern als vorhersagbare Folge davon, dass die zahnmedizinische Pharmakopöe weit überwiegend nicht-biomime- tisch konstruiert ist und gegen die evolvierte orale Grenzfläche operiert statt mit ihr. Wir formulieren drei biomimetische Designprinzipien aus der oralen Physiologie – Modulation statt Destruktion, geschlossene biogeochemische Kreisläufe, hormetische Dosis-Wirkungs-Beziehung – und führen sie auf das gemeinsa- me Meta-Prinzip der Verweigerung des Nullsummen-Tradeoffs zurück. Wir schlagen die biogene Distanz als quantifizierbare Heuristik vor, die molekulares Design mit ökotoxikologischem Verhalten verknüpft. Das Hydrogel P8 wird als operationalisierte synechohormetische Mehrkomponentenkomposition vorgestellt. Der biomimetische Bezugsrahmen wird als Querschnittsprinzip in die Systematik der Zahnmedizin über die NAM-ZahnHeilkunde eingeordnet. Vier falsifizierbare Vorhersagen formulieren das Forschungsprogramm.</jats:p>