Abstract
<jats:p>Lange Zeit galt Gesundheit in der Wissenschaft lediglich als Abwesenheit von Krankheit, reduziert auf das Fehlen körperlicher und psychischer Funktionsstörungen. Erst das Gesundheitsverständnis der WHO von 1948 brachte einen Paradigmenwechsel: Gesundheit wurde nun positiv als "Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens" definiert. Die WHO-Definition hat drei Schlüsselmerkmale: positive Gesundheit, Ablösung von den engen Bezügen biomedizinischer Perspektiven und Versorgungssysteme, Mehrdimensionalität. Sie weist aber auch große Operationalisierungsprobleme auf. Neuere, interdisziplinär einsetzbare Definitionen orientieren sich am Modell der produktiven Realitätsverarbeitung. Sie betonen Balance, biografische Adaptation und Bewältigung. Ebenso wird der relativen und der funktionalen Gesundheit (nach ICF) eine wichtige Bedeutung zugemessen. Gesundheit muss in Zukunft als eigenständige, wissenschaftlich und versorgungspolitisch "starke" Referenzkategorie etabliert und ausgebaut werden.</jats:p>