Abstract
<jats:p>Das Kapitel zeigt Friedrich Adolf Paneth in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre als international anerkannten, im deutschen Hochschulsystem jedoch wiederholt übergangenen Wissenschaftler. Während seine Gastprofessur an der Cornell University fachlich und persönlich erfolgreich verlief, scheiterten mehrere Berufungsverfahren in Deutschland – unter anderem in Karlsruhe, Freiburg und Jena.</jats:p> <jats:p>Als Gründe werden latenter Antisemitismus, nationalistische Zuschreibungen und Paneths schwer einzuordnendes Profil zwischen Anorganischer Chemie, Physikalischer Chemie und Radiochemie herausgearbeitet. Hinzu kamen zeitweilige Forschungsmisserfolge, besonders bei Heliumexperimenten, sowie der rasche Wandel von Valenzlehre und Quantentheorie. Der Ruf nach Madison unterstrich Paneths internationale Attraktivität, führte in Berlin aber zunächst nur zu einer Gehaltserhöhung; erst 1929 erhielt er schließlich einen Lehrstuhl.</jats:p>