Abstract
<jats:p>Das Kapitel rekonstruiert Paneths Arbeiten zur „Chemie der Phantome“: Aus dem Versuch, Poloniumwasserstoff nachzuweisen, entstand 1917/18 am Wiener Radiuminstitut die Entdeckung von Wismutwasserstoff. Mit radioaktiven Tracern, Gasstrom, Filter, Ionisationskammer und Elektroskop untersuchte Paneth flüchtige Hydride und musste dabei das zentrale Problem lösen, echte gasförmige Verbindungen von bloßer radioaktiver Kontamination zu unterscheiden.</jats:p> <jats:p>Ein Kontrollexperiment mit Thorium-Emanation und Folgeprodukten der Thorium-Zerfallsreihe führte zum entscheidenden Hinweis auf BiH₃; später wurde die Methode auf weitere Metallhydride wie Zinnwasserstoff übertragen. Das Kapitel deutet Paneths Vorgehen zugleich als Beispiel für Serendipity und abduktives Schließen im Sinne Charles S. Peirce’, während Poloniumwasserstoff selbst ein chemisches „Phantom“ blieb.</jats:p>