Abstract
<p>Kinder und Jugendliche, die in Einrichtungen der Heimerziehung leben, sind aufgrund kumulierender psychosozialer Risikofaktoren einer erhöhten gesundheitlichen Belastung ausgesetzt. Diese Bedingungen begünstigen die Entstehung undChronifizierung psychischer und physischer Gesundheitsprobleme. Da die Heimerziehung vorrangig pädagogisch ausgerichtet ist und der Einsatz beruflichPflegender bislang gesetzlich nicht vorgesehen ist, bleiben Gesundheitsförderung, Prävention und pflegerische Bedarfe häufig unzureichend berücksichtigt. Ziel der vorliegenden Studie ist es, zentrale Indikatoren für den beruflichen Einsatz von Pflegefachpersonen in der vollstationären Kinder- und Jugendhilfe zu identifizieren, um die gesundheitliche Versorgung, Gesundheitsförderung und Prävention in diesem Setting nachhaltig zu verbessern. Darüber hinaus werden Empfehlungen für die Pflegebildung abgeleitet, da die Heimerziehung im Rahmen der generalistischen Pflegeausbildung einen potenziellen pädiatrischen Lernort darstellt. Die Datenerhebung erfolgt mittels leitfadengestützter Einzelinterviews, die nach der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet werden. Die Ergebnisse zeigen, dass fremduntergebrachte Kinder und Jugendliche multiplen Risiko- und Defizitfaktoren ausgesetzt sind, die zu kumulativen gesundheitlichen Benachteiligungen führen. Beruflich Pflegende können durch ihre spezifische Expertise in interdisziplinären Teamswesentlich zur Förderung von Gesundheitskompetenz, zur Prävention und zur Reduktiongesundheitlicher Ungleichheiten beitragen. Die Ergebnisse verdeutlichen den Bedarfeiner strukturellen und gesetzlichen Öffnung des Arbeitsfeldes für Pflegefachpersonen sowie die Entwicklung eines spezifischen Kompetenzprofils („Heim-Nurse“) oder ergänzender Weiterbildungsstrukturen zur professionellen Vorbereitung auf dieseskomplexe Tätigkeitsfeld.</p>