Abstract
<p> Die mythologischen Figuren der Antike – Odysseus, Penelope, Herkules, Medusa, Pandora, Athene und Jason – sind fester Bestandteil des abendländischen Kulturerbes. Besonders prägend ist das Werk Metamorphosen des römischen Dichters Ovid, das bis heute vielfältige Spuren in Literatur, Musik und bildender Kunst hinterlassen hat. Die Rezeption dieser Verwandlungsgeschichten zeigt eine breite Spannweite: vom mittelalterlich-christlichen Ovide moralisé bis zur politischen Herrschaftsikonographie in der Frühen Neuzeit. Die Studie widmet sich einem bislang wenig beachteten Raum: dem barocken Sommersaal im Liebenstein’schen Bau der Diakonie Stetten (1692), der reich mit mythologischen Szenen nach Ovid ausgestattet ist. Als ikonographische Vorlage diente ein Emblembuch des Abbé Michel de Marolles (1655). Der Sommersaal wird im Vergleich zur gleichzeitig entstandenen Schlosskapelle in Kernen-Stetten analysiert, wobei thematische Verbindungen zwischen den Bildprogrammen aufgezeigt werden. Die Untersuchung berücksichtigt auch den zeitgenössischen historischen und kulturellen Kontext – darunter die Biographie der Stifterin Herzogin Magdalena Sibylla von Württemberg, schwedische Einflüsse ihrer Jugendzeit, barocke Emblemtraditionen (etwa im Umkreis der Fruchtbringenden Gesellschaft) sowie jesuitische Ovid-Interpretationen. Der Beitrag leistet einen interdisziplinären Beitrag zur Rezeption Ovids im frühneuzeitlichen Kunst- und Bildungsraum. </p>