Abstract
<jats:p>Der Band dokumentiert die Beiträge der Tagung „Wert der Sprache. Das Dessauer Philanthropinum und die Bildungsdebatten des 18. Jahrhunderts", die vom 28. bis 30. November 2024 anlässlich des 250-jährigen Gründungsjubiläums des Dessauer Philanthropinums (1774) im Schloss Georgium in Dessau stattfand. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle der Sprachunterricht – insbesondere der Fremdsprachenunterricht – in den pädagogischen Konzeptionen Johann Bernhard Basedows und der Dessauer Philanthropen spielte. Das Leitmotiv des Bandes ist der auf Comenius zurückgehende und von Basedow programmatisch umgesetzte Grundgedanke, dass Sprachunterricht Sachunterricht sein soll: Mit der Fremdsprache sollen nicht nur neue Bezeichnungen für Bekanntes, sondern neue Kenntnisse und Handlungsmöglichkeiten vermittelt werden. Die dreizehn Beiträge erschließen das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Sie behandeln die Begriffsgeschichte der Aufklärung und ihre sprachlichen Voraussetzungen, das Dessauer Philanthropin als literarisch-verlegerisches Zentrum der Spätaufklärung, die Anfänge der deutschen Kinder- und Jugendliteratur, die Rolle von Bildern in Basedows Elementarwerk und in der religiösen Unterweisung, Theorie und Praxis des Fremdsprachen- und Lateinunterrichts am Philanthropin, die Bedeutung antiker Autoren und ihrer Übersetzer für die pädagogische Reform, die Nachfolgeinstitutionen in Dessau, Basedows Rhetorik der freien Rede sowie sein Verhältnis zur Mädchenbildung. Die abschließenden Beiträge untersuchen die internationale Ausstrahlung des Philanthropismus auf Russland, das Habsburgerreich (insbesondere die Böhmischen Länder) und die Niederlande und zeigen, auf welchen Wegen – durch Übersetzungen, Raubdrucke, Adaptionen und die Tätigkeit ehemaliger Dessauer Lehrer im Ausland – die philanthropischen Erziehungskonzepte in weite Teile Europas gelangten.</jats:p>