Abstract
<jats:p>Am 9. Juni 2004 explodierte eine Nagelbombe in der Kölner Keupstraße und verletzte 23 Menschen teils schwer. Die Polizei ermittelte jahrelang gegen die Betroffenen – erst mit der Selbstenttarnung des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) 2011 bestätigte sich der rassistische und rechtsterroristische Hintergrund des Anschlags. Fiona Schmidt analysiert diese Ermittlungen und geht der Frage nach, inwiefern es sich hierbei um institutionellen Rassismus handelt. Dafür entwickelt sie das Konzept des institutionellen Rassismus theoretisch wie empirisch weiter. Mit Perspektiven aus Rassismus-, Geschlechter- und Polizeiforschung sowie Soziologie, Politik- und Rechtswissenschaft fundiert ihre Studie diesen Begriff. Die historische Entstehung und Weiterentwicklung des Konzepts rekonstruiert sie als Reaktion auf die Erfahrungen, dass Diskriminierungsverbote und formale Gleichstellung Rassismus nicht aufheben. Die empirische Analyse polizeilicher Ermittlungsarbeit und des Ermittlungsverfahrens zu dem Nagelbombenanschlag des NSU identifizieren Mechanismen, durch die rassistische Wissensbestände in organisationale Regeln und Routinen eingeschrieben werden. So zeigt die Studie detailliert, wie Ermessensspielräume, Erfahrungswissen und Verdachtsschöpfungsstrategien zu institutionellem Rassismus in polizeilichen Ermittlungen führen. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</jats:p>